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Horst-Joachim Lüdecke: Energie und Klima - Chancen, Risiken, Mythen
Weitere Veröffentlichnunen von Horst Joachim Lüdecke hier
Samstag, 09.06.2012 08:55

Erdgas von der EU als grüne Energie umetikettiert

Sieg für die Gaslobby, als ein EU-Innovationsprogramm im Wert von 80 Milliarden Euro so umgewandelt wurde, dass das Geld für fossile Treibstoffe mit ‚geringem Kohlenstoff’ ist.*Energie von Gaskraftwerken wurde als grüne Energiequelle mit geringem Kohlenstoffanteil durch ein 80 Milliarden Euro-Programm der Europäischen Union in einem Triumph der Industrielobby fossiler Treibstoffe über erneuerbare Energieformen umetikettiert.

*Im Original lautet dieser Satz: „Victory for gas lobby as aims of €80bn EU innovation programme altered to channel money to 'low-carbon' fossil fuel”

Bild rechts: Ein Gaskraftwerk als Teil des nationalen Netzwerks zur Gasverflüssigung auf der Insel Grain. Bild: Chris Ratcliffe/Getty Images

Einem geheimen Dokument zufolge, dass dem Guardian vorliegt, wird ein großer Teil der Euromilliarden an Zuwendungen, die vermeintlich für die Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien wie Solar- und Wellenenergie gedacht waren, stattdessen umgeleitet, um die Entwicklung des gut etablierten fossilen Treibstoffes zu subventionieren.

Die Nachricht stammt von der angesehenen International Energy Agency IEA, welche ein „goldenes Zeitalter für Erdgas“ mit der globalen Erschließung „unkonventioneller“ Gasquellen prophezeite (vor allem hinsichtlich Schiefergas, das mit dem ‚Fracking’ extrahiert wird), die sich bis zum Jahr 2035 verdreifachen sollen.

Der daraus resultierende Preisverfall für Gas birgt das Risiko, die Entwicklung erneuerbarer Energien in den Startlöchern zu stoppen, solange die Regierungen nicht Maßnahmen ergreifen, um die erneuerbaren Technologien wie Solar- und Wellenkraft zu unterstützen. „Die erneuerbare Energie könnte das Opfer billiger Gaspreise sein, wenn die Regierungen nicht an ihren Agenden zur Unterstützung der Erneuerbaren festhalten“, sagt der führende Ökonom an der IEA Fatih Birol.

Die Einführung von Gasenergie als Energieform mit geringem Kohlenstoffanteil in ein EU-Programm folgt einer mehr als 18 Monate dauernden intensiven Lobbyarbeit der europäischen Gasindustrie, welche versucht, sich selbst als grüne Alternative zu Kohle- und Kernkraft zu gerieren sowie billiger zu sein als erneuerbare Formen der Energie z. B. aus Wind und Sonne.

Aber grüne Gruppen warnten davor, sich auf Gas zu verlassen, weil die Energiepreise steigen würden und dies ein Scheitern des Kampfes gegen die Klimaänderung sei. Außerdem könnte das Wachstum der Industrie der Erneuerbaren grundlegend gestört werden. Gas ist ein fossiler Energieträger – aber weil bei der Verbrennung weniger Kohlendioxid entsteht als beim Verbrennen von Kohle, haben die Lobbyisten der Gasindustrie das Gas aufdringlich als Treibstoff mit niedrigem Kohlenstoffanteil als Alternative zur Kohle angepriesen.

Die Vorteile des Schwenks von Kohle zu Gas sind kurzlebig – von jedem Gaskraftwerk, das heute gebaut wird, erwartet man, dass es mindestens 25 Jahre lang in Betrieb sein würde. Das würde Jahrzehnte lange Kohlenstoffeinträge in die Atmosphäre bedeuten – während Wissenschaftler und Industrieexperten warnen, dass die globalen Emissionen bis 2020 ihren Höhepunkt erreichen müssen, um die schlimmsten Auswirkungen der Klimaänderung zu vermeiden. „Ein goldenes Zeitalter für Gas ist nicht notwendigerweise ein goldenes Zeitalter für das Klima“, warnte Birol.

Dem dem Guardian vorliegenden Dokument haben die Mitgliedsstaaten zugestimmt, und es bildet den Rahmen für das Programm Horizon 2020, einem 80 Milliarden Euro teuren Programm für Forschung und Innovation für die Jahre von 2014 bis 2020. 30 Milliarden davon sind der Europäischen Kommission zufolge dafür vorgesehen, „wesentliche Sorgen aller Europäer anzusprechen, wie Klimaänderung, die Entwicklung nachhaltiger Mobilitäts- und Transportmöglichkeiten, die Verbilligung erneuerbarer Energie, die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln oder die Herausforderung einer alternden Gesellschaft“.

Als Teil dieser Mission sollen im Rahmen von Horizont bis 2020 Milliarden von Euro als Förderung für Forschungs- und Entwicklungsprojekte ausgegeben werden, und die Mission soll „Forschungs- und Innovationsaktivitäten unterstützen, die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen in Europa stärken sowie Vorteile für die Gesellschaft bringen“. Saubere Energie ist dem Dokument zufolge ein Schlüsselpart davon: „Die besondere Objektive liegt darin, angesichts zunehmend knapper werdender Ressourcen, zunehmendem Energiebedarf und der Klimaänderung den Übergang [transition] hin zu einem verlässlichen, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen System durchzuführen.“

Aber das Originaldokument wurden von Funktionären verändert, um explizit die Förderung für Gas einzuschließen – obwohl Gas ein fossiler Energieträger und eine ausgereifte Technologie ist.

Das Dokument bezieht sich auf eine im vorigen Jahr veröffentlichte Roadmap der EU, wonach die Emissionen durch die Energieerzeugung bis 2050 um 90% gekürzt werden müssen, um die EU-Ziele zu erreichen. Hier wurde ein neuer, weiterer Satz hinzugefügt: „Die Roadmap zeigt auch, dass Gas kurz- und mittelfristig zur Änderung des Energiesystems beitragen kann“.

Weiter beinhaltet das Dokument auch das Gas als eine Energiequelle mit niedrigem CO2-fausstoß: „Um diese ambitionierten Reduktionen zu erreichen, müssen signifikante Investitionen in die Forschung, die Entwicklung, die Demonstration und das Marketing effizienter, sicherer und zuverlässiger Energietechnologien vorgenommen werden, einschließlich Gas und Service“. Die Erwähnung des Gases wurde hinzugefügt. Obwohl es unmöglich ist zu sagen, welches Mitgliedsland diese Änderung verlangt hat, sagten Insider in Brüssel, dass es der Unterstützung vieler Mitgliedsstaaten bedurft hatte.

Dieser Bezug zeigt, dass Gas nunmehr in einem offiziellen EU-Programm als eine „low-carbon“-Form von Energie angesehen wird, äquivalent zu den Erneuerbaren oder der Kernkraft – trotz seines Status’ als fossiler Energieträger.

Schließlich zeigt der letzte Absatz des Dokuments, dass das R&D-Förderprogramm, das ursprünglich nur zur Unterstützung der Erneuerbaren gedacht war, dahingehend verändert worden ist, dass explizit fossile Treibstoffe mit eingeschlossen sind. Es heißt dort: „Aktivitäten (im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogramms) sollten sich auf Forschung, Entwicklung und Demonstrationen in größtmöglichem Umfang konzentrieren – auf innovative Erneuerbare, effiziente und flexible Kraftwerke (einschließlich der fossiles Erdgas verbrauchenden Kraftwerke) sowie Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff.“. Der Hinweis auf fossile Treibstoffe ist eingefügt worden.

Während das Horizon 2020-Programm wahrscheinlich zur Ausgabe vieler Milliarden für R&D von 2014 bis 2020 führen wird, geht die Bedeutung dieser Änderungen Brüsseler Experten zufolge noch viel weiter. Die Änderungen zeigen, dass die Gasindustrie damit Erfolg hatte, dass Gas als ein „low-carbon“-Treibstoff angesehen wird, zumindest in einigen Bereichen der Europäischen Kommission – und dies wird wahrscheinlich katastrophal für die Industrie der Erneuerbaren sein. Auch wird es massive Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen und den Kampf gegen den Klimawandel haben.

Die Erneuerbaren konkurrieren mit Investitionen in fossile Treibstoffe wie Gas, und falls die Investoren sehen, dass Gas – mit seiner ausgereiften Technologie und geringen Risiken sowie hoher Renditen – bevorzugt wird, werden sie wahrscheinlich Investitionen in Gas gegenüber solchen in Erneuerbare den Vorzug geben.

Fiona Harvey, Umweltkorrespondentin, guardian.co.uk

Link: http://www.guardian.co.uk/environment/2012/may/29/gas-rebranded-green-energy-eu

Übersetzt von Chris Frey EIKE


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19 Kommentare:
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#1: Rainer Manz sagt:

am Montag, 11.06.2012, 11:52

Wie sollen wir den bestens von Herrn Frey übersetzten Artikel bewerten?

Als Kampfschrift und somit Pamphletbeweis einer auf "erneuerbar und sauberer" Energie orgiastisch stehenden, anthropogen C02 verursacht Klimawandelgläubigen?
Oder als Beleg für, wen wundert´s bei dem mit Milliarden gefüllten Topf und der angesetzten Durchsetzungsstrategien, im Dickicht und Dunkeln ablaufende Machenschaften diverser auf der Erneuerbar- und Sauberenergie schwimmenden Welle und sich grünwaschenden Wirtschaftslobbys, in diesem Fall der Erdgasindustrie?

Wahrscheinlich beides zugleich. Je nach persönlicher Sichtweise oder Gelbbeutel "seines Herrn" wird nun gewichtet werden. Für mich spiegelt das Ganze "nur" den Verblödungs- und Blindheitsgrad bei einigen Umweltaktivisten wider und bestätigt zugleich das politisch-staatlich ausgelöste am-großen-Kuchen-teilhaben-wollen-interessierter Kreise. Dort wo es große Beute machen gilt, finden sich halt zu den Jägern auch viele (menschliche) Aasgeier ein... also dem Einen - nämlich alternativlos politisch die Welt aus "besten" Gründen mit Zwang und Geld der Anderen verändern zu wollen - folgen kausal die die das Umsetzenden und Nutznießenden wie die Mücken aufs rohe Fleisch auf dem Küchentisch.
Nachhaltig bescheuert kurz gefasst und als angemessene Wortverwendung des Unworts nachhaltig.

Beängstigend das Chaptcha Drohung...

 

#2: Werner Moß sagt:

am Montag, 11.06.2012, 15:32

H2O soll ein stärkeres Treibhausgas sein, als CO2. Bei der Verbrennung von Methan entsteht 2x soviel H2O wie CO2. Somit müsste Erdgas schädlicher für unser Klima sein, als Kohle.

 

#3: A. Bauer sagt:

am Montag, 11.06.2012, 17:28

Wenn man die Machenschaften von Greenpeace, BUND, DUH, und den restlichen sogenannten "Umwelt"-Bewegungen verfolgt, fällt einem auf, daß diese zu 90% gegen Atomkraft und Kohle kämpfen, aber nur sehr sehr selten gegen die Öl- und Gasindustrie. Während der Bohrinselunfall im Golf von Mexiko schon gar nicht mehr erwähnt wird, hat Greenpeace fast jede Woche etwas neues gegen Atomkraft vorzubringen. Der sog. "revolution" Energy-Blueprint von Greenpeace sieht eine massive Steigerung des Gasverbrauchs vor, der angeblich später einmal durch Erneuerbare ersetzt werden soll.
Es liegt die Vermutung nahe, daß diese Umweltorganisationen schon längst von der Öl-/Gasindustrie "gekauft" wurden, und deren Opposition gegen die "bösen" Konzerne nur noch Fassade ist. In Wahrheit geht es darum, die Konkurrenz zum Erdgas/Erdöl auszuschalten. Bestes Beispiel: E-Autos werden in Deutschland damit "abgewürgt", indem der Strom einfach so stark verteuert wird, daß es zum Öl keine Alternative bietet. Das gleiche mit Heizöl / Erdgas / E-Heizung.

 

#4: Dr.Paul sagt:

am Montag, 11.06.2012, 18:11

Ich hoffe die kommen mit Hilfe der Vernunft-Lobby bald wieder auf die Kernkraft zurück,
darin steckt am meisten Entwicklungspotential.

mfG

 

#5: Rainer Manz sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 07:50

Hallo Dr. Paul,

Verständnisfrage - was ist denn eine Vernunft-Lobby und wo kann man die finden...? Ich glaube nicht nur ich suchen diese Lobby verzweifelt und eben nicht gerade in der Politik und dem herschenden Zeit(un)geist.

Gruss

 

#6: S.Hader sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 08:37

Also das Thema Erdgas scheint insbesondere bei scharfen EE-Kritikern zu einer paradoxen Situation zu führen. Im Grunde hat man überhaupt nichts gegen den Gebrauch fossiler Brennstoffe zur Stromerzeugung und Wärmegewinnung. Aber da auch das Erdgas von vielen Umweltverbänden und Parteien als zunehmend positiv gesehen wird, zumindest innerhalb einer Übergangszeit, sehen die EE-Kritiker notgedrungen immer mehr ein Problem darin. Plötzlich ist die Importabhängigkeit bzgl. bestimmter Staaten ein Thema, was zuvor bei Kohle, Erdöl und Uran keine Rolle spielte.

Ich bin mir absolut sicher, wenn beispielsweise Greenpeace, BUND und sogar die Grünen anfangen würden, für das Weiterlaufen von AKWs und Errichten von neuen Anlagen zu plädieren, dann würde hier der Proteststurm gegen den Atomstrom massiv zunehmen. Immer gegen das zu sein, was der Feind sagt, ist immer eine gute Marschroute.



#2: "H2O soll ein stärkeres Treibhausgas sein, als CO2. Bei der Verbrennung von Methan entsteht 2x soviel H2O wie CO2. Somit müsste Erdgas schädlicher für unser Klima sein, als Kohle."

Sehr geehrter Herr Moß, nur in Kurzform, nach meinem Verständnis ist ein Unterschied zwischen H2O und CO2, dass Ersteres wieder in seinen flüssigen Aggregatszustand zurückkehrt, sobald sich die Temperaturen und Druck ändern und auch der Anteil an H2O in der Atmosphäre deutlich höher (um mind. eine Zehnerpotenz) als bei CO2 ist.

 

#7: Rainer Manz sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 12:15

zu 6# S. Hader

Sie tappen mal wieder wortreich und rhetorisch besenrein im Dunkeln... und da ich mich leider durchaus ab und zu davon angesprochen fühle - ja ich habe lebenserfahrungsbedingt gewisse Aversionen bei Mehrheiten, die ich sehr oft negativ auswirkend erlebt habe. Sie meinen jedoch, dass hier einige, wenn nicht gar alle nicht auf Ihrer Linie liegenden "aus Prinzip" gegen irgendwas was sind. Vielleicht sollten Sie mal selbst öfters in den Spiegel schauen? Zuvor bitte den geistigen Nebel verscheuchen, sonst sehen Sie nur schwarz - oder besser grün und rote Schwaden.... Im Artikel-Ablenken und Verbiegen von Informationen sind Sie echt gut, dass muss man Ihnen anerkennend lassen.

P.S. Übrigens bin ich mir auch absolut sicher, wenn ich beispielsweise Lotto spielen würde auch gewinnen könnte so wie das millionenandere auch so sicher sind...

 

#8: A. Bauer sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 14:25

@#6: Es sollte jeder frei entscheiden können, womit er Wärme oder Strom erzeugt. Wenn die Umweltorganisationen jetzt Erdgas "erlauben", alle anderen Energiequellen aber blockieren, dann ist das kein fairer Wettbewerb mehr, sondern einer wo willkürlich, unter dem Vorwand des Umwelt-/Klimaschutzes, teile der Energiebranche (Erdgas) bevorzugt werden, andere benachteiligt werden (Kernenergie, Kohle). Die Willkür wird am deutlichsten wenn man bedenkt, daß mit Erdgas massiv CO2 Emissionen stattfinden, während die Kernenergie keine Emissionen hat - dennoch blockieren die Umweltorganisationen mit aller Gewalt die Kernenergie. Wenn man diese frägt warum, erhält man eine erstaunliche Antwort: hier ist auf einmal nicht die Umwelt (Flora/Fauna), nicht das Klima (CO2), sondern die "Sicherheit" der Menschen ausschlaggebend - wer das glaubt, muss sehr naiv sein.

Kommentar:

Das ist wie beim Glühlampenverbot (Sehenswert "Bulbfiction"). Knallharte Klientelpolitik unter dem Mantel des Klimaschutzes. Die Grünen und der WWF machen begeistert mit. Das Schwarzbuch WWF liest sich wie eine Krimi. Nur ist es Realität.
mfG
M.L.

 

#9: L. Erhard sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 15:59

Hier, wie auch zu anderen Beiträgen passend:
"Das deutsche Volk neigt wohl überhaupt dazu, das Gefühl
für die Realitäten des Lebens relativ recht schnell zu
verlieren, eine Charakterschwäche, die uns gerade auch in
jüngster Vergangenheit zum tragischen Verhängnis geworden
ist." (S.231)
"Die soziale Marktwirtschaft kann nicht gedeihen,
wenn die ihr zugrunde liegende geistige Haltung, d. h. also
die Bereitschaft, für das eigene Schicksal Verantwortung zu
tragen, und aus dem Streben nach Leistungssteigerung an
einem ehrlichen freien Wettbewerb teilzunehmen, durch
vermeintliche soziale Maßnahmen auf benachbarten Gebieten
zum Absterben verurteilt wird.
Wer diese Problematik zu Ende zu denken bereit ist,
wird auch die Fragwürdigkei t einer allzu engen Zuständigkei
tsbegrenzung begreifen. Eine ressortmäßige
Abkapselung wäre überhaupt nur vertretbar, wenn
das Handeln und Verhalten all derer, die die ökonomischen
Verhältnisse beeinflussen, von einer gleichen geistigen
Schau aus bestimmt wäre, wenn sie die Ordnung, welche
die soziale Marktwirtschaft verkörpert sehen möchte, vorbehaltlos
bejahen würde. Es müßten also – kurz gesagt –
alle an einem Strang ziehen.
Ich habe zu wiederholten Malen betont, daß ich die
persönliche Freiheit für unteilbar halte. Aus solcher Gesinnung
heraus bin ich 1948 darangegangen, alle wirtschaft246
lichen Unfreiheiten systematisch abzubauen und deshalb
muß ich, ebenso wie ich meinen Teil zur Befreiung des
deutschen Menschen beigetragen habe, einen entsprechenden
Beitrag auch für die übrigen Lebensbereiche verlangen.
Eine f reihei t l iche Wi r t schaf t sordnung kann auf die
Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im
sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freihei t ,
an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist." (S. 245-246)
"Ich bin in der letzten Zeit allenthalben erschrocken, wie
übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen
Bereich erschallte. Wo aber sollen wir hinkommen und wie
wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir
uns immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von
Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung
für sich selbst zu übernehmen bereit ist und jedermann
Sicherheit im Kollektiv gewinnen möchte. Ich habe diese
Flucht vor der Eigenverantwortung drastisch genug gekennzeichnet,
wenn ich sagte, daß, falls diese Sucht weiter
um sich greift, wir in eine gesellschaftliche Ordnung schlittern,
in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat.
Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die
anderen sorgen für mich!
Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir
dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann
nur zu unserem Unheil ausschlagen. Dieser Drang und
249
Hang ist mehr als alles andere geeignet, die echten menschlichen
Tugenden: Verantwortungsfreudigkeit, Nächstenund
Menschenliebe, das Verlangen nach Bewährung, die
Bereitschaft zur Selbstvorsorge und noch vieles Gute mehr
allmählich aber sicher absterben zu lassen – und am Ende
steht vielleicht nicht die klassenlose, wohl aber die seelenlos
mechanisierte Gesellschaft." (S. 248 ff)


Neugierig? Hier geht es weiter:
http://tinyurl.com/lsy3mj

 

#10: Dr.Paul sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 18:14

#9: L. Erhard ja, einmalig in der Deutschen Nachkriegsgeschichte.

Ein flammendes Plädoyer für Individualität in Verantwortung und gegen Kollektivität, bereits und gerade in der Meinungsäußerung.
Absolute Bedingung dafür: Wirkliche Meinungsfreiheit.

"Grüne Politik" will sich sogar über Mehrheitsmeinungen hinwegsetzen.
Das ist Demokratie?

L.Erhard formuliert eine faszinierende Kombination von menschenfreundlichem Idealismus und Realitätssinn mit geradezu hellseherischen Fähigkeiten der schon eingetretenen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen.

Danke für den Link!
Mein Vater hat für Erhard gearbeitet :-)

Gruß

 

#11: A. Bauer sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 19:33

@#9: Ein sehr gutes und wahres Zitat. Das "sozial" in "soziale Marktwirtschaft" von Erhard hat heutzutage eine völlig andere Bedeutung angenommen, als damals. Diese "Reise" geht weiter, und nachdem wir bereits eine "ökologische Steuerreform" hinter uns haben, würde es mich nicht wundern daß immer mehr von "ökologisch sozialer Marktwirtschaft" gesprochen wird. Ansätze dafür gibt es bereits.

 

#12: Andreas Demmig sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 20:17

Ist Gas ein fossiler Brennstoff?

M.e. nein, genauso wie Erdöl entsteht es offenbar bei den Umwandlungsprozessen in den Tiefen der Erde.
Siehe auch den entsprechenden Beitrag in EIKE.

Unser Leben basiert eben auf Kohlenstoff in seinen verschiedensten Verbindungen.

 

#13: S.Hader sagt:

am Dienstag, 12.06.2012, 22:35

zu #7

Herr Manz, haben Sie auch etwas zur Sache zu sagen, oder wollen Sie nur demonstrieren, was bei Ihnen konkret friedliche Koexistenz unter Usern bedeutet? ;o)

 

#14: Rainer Manz sagt:

am Mittwoch, 13.06.2012, 08:29

Hallo Herr Hader, eine betreffend 7# auf den Artikel bezogen durchaus berechtigte Frage - ich gelobe Besserung... wenn Sie sich auch diesbezüglich in Ihren Kommentaren ab und zu am Thema halten! Zum Artikelthema habe ich mich bereits in 1# geäußert während Sie, und darauf bezog sich meine Kritik in 7#, in 6# sich nicht auf den Artikel beziehen, sondern eine vermeintlich "gegnerisches" Reaktionsverhalten konstruieren und nichts zum Artikel selbst schreiben. So jedenfalls wirkt Ihr Statement in 6# auf mich. Und vermutlich nicht nur auf mich. Damit will ich es belassen.

 

#15: Rainer Manz sagt:

am Mittwoch, 13.06.2012, 08:32

Vielen Dank L. Erhard für diese Textzitate aus Wohlstand für alle von Ludwig Erhard. Es beschämt und schockiert, was wir im Vergleich zur Intension des Autors und eines Urgesteins der frühen Bundesrepublik daraus geschaffen haben. Und ich sage wir, weil wir entweder durch unsere Stimmabgabe oder Nichtabgabe, Duldung, durch aktive "System"-Mitarbeit oder eigene Nutznießung usw. entscheidend zum Jetztzustand beigetragen haben. Der Begriff spätrömische Dekadenz, besser treffend spätbundesdeutsche ist nicht von der Hand zu weisen. Die Zitatauswahl zeigt mir auch, dass meine eigene Überzeugung, Freiheit und Verantwortung gehören untrennbar zusammen, richtig ist und der Ist-Zustand dazu, d.h. die Gewöhnung an und Streben nach Allinklusive-Versorgung zum Preis persönlicher und nationaler Unfreiheit ein mentales, breites Massenproblem darstellt.
Es zeigt mir daher auch, dass richtige Ansichten allein nicht reichen, wenn der "Garten" einer neuen Gesellschaftsordnung nicht so angelegt ist, damit aus einem zarten Pflänzlein nicht eben ein Moloch alla Fiktionen 1984, Brazil oder existierender Monstersysteme wird. Oder wie wollen wir nicht nur DL sondern vor allem die EU denn anders bezeichnen als ein politisches Monster um nicht zu sagen folgenschweres Desaster?

Die Erdgasumlabelung der EU ist nur ein kleines Beispiel davon und dazu.

 

#16: Hofmann,M sagt:

am Mittwoch, 13.06.2012, 11:32

@L.Erhard #9
Damit sind Sie, mit mir, auf einer Linie.
Von dieser gesellschaftlichen Grundausrichtung unter Erhard sind wir heut zu Tage "Kilometer weit weg". Deutschland hat sich seit dieser Zeit in einer "Sozialen Marktwirtschaft" mehr dem sozialen und Staatlichen hinentwickelt als zum eigenverantwortlichen Handeln im Markt. Die vergangene und besonders die jetzige Politik hat diese Balance zwischen Sozial und Markt komplett abgeschafft. In der jetzigen Energiepoltiik der Ökomerkel zeigt sich dies besonders gravierend.
Wie verlagern uns in Deutschland schleichend von einer "sozialen Marktwirtschaft" ala L.Erhard zu einer "planwirtschaftlichen Staatswirtschaft" ala Kommunisums.
Fr. Merkel sollte mehr Erhard statt Marx lesen!

 

#17: Sabrina Schwanczar sagt:

am Donnerstag, 14.06.2012, 00:52

#9: L. Erhard sagt:am Dienstag, 12.06.2012, 15:59

Zunächst einmal fehlt der Hinweis des Admin: Bitte mit Klarnamen posten. Das verlangen unsere Regeln.


Zitat:

"Wo aber sollen wir hinkommen und wie
wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir
uns immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von
Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung
für sich selbst zu übernehmen bereit ist und jedermann
Sicherheit im Kollektiv gewinnen möchte."

Das nennt man heute "Teamfähigkeit", die von den Vertretern der Unternehmerschaft gefordert wird.

"Ich habe diese Flucht vor der Eigenverantwortung drastisch genug gekennzeichnet,
wenn ich sagte, daß, falls diese Sucht weiter
um sich greift, wir in eine gesellschaftliche Ordnung schlittern,
in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat.
Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die
anderen sorgen für mich!
Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir
dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann
nur zu unserem Unheil ausschlagen."

Das nennt man heute Kernenergie-Sozialismus.

Alles Wohl geht von der Kernenergie-Kollektivierung aus.

 

#18: Hofmann,M sagt:

am Donnerstag, 14.06.2012, 09:47

@Sabrina Schwanczar #17
Die abgeschriebenen Kernkraftwerke hätten sehr viel Geld in die Volkssozialkasse über die Brennelementesteuer spülen können. Aber so wie es glaufen ist, müssen wir anstatt Einzunehmen ZAHLEN!
Wir Bürger müssen für eine verkorkste Energiepolitik zahlen!

 

#19: Uwe Klasen sagt:

am Dienstag, 19.06.2012, 12:27

Eine schwere Anschuldigung der ukrainischen Regierung gegen Deutschland und speziell Fr. Merkel, welche hinsichtlich der Priorisierung von Gas bei der sog. "Energiewende" durchaus Plausibel erscheint.

Textauszug:
"Der ukrainische Außenminister Konstantin Grischtschenko erklärte dieser Tage vor italienischen Journalisten, warum die ukrainisch-russischen Verträge 2009 unterzeichnet wurden. „Das wurde auf Bitte Deutschlands und anderer europäischer Regierungen gemacht, die darauf bestanden haben, die Gaskrise schnellstmöglich zu lösen. Diese Frage wurde hinter dem Rücken der Ukraine gelöst“, sagte Grischtschenko.

Aus diesem Grund unterstützen dem ukrainischen Außenminister zufolge Kanzlerin Merkel und andere europäische Politiker die inhaftierte Oppositionspolitikerin Timoschenko."

Quelle: http://tinyurl.com/bwr9rkg

 
 
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